Umschlag eingebrochen

Ostdeutschlands größter Hafen hat im Krisenjahr 2009 drastische Einbrüche beim Frachtumschlag verkraften müssen. Die Gütermenge in Rostock ging im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel zurück, erklärte der Chef der Hafen-Entwicklungsgesellschaft, Ulrich Bauermeister, am Freitag in der Hansestadt. Während im Rekordjahr 2008 in allen Frachtbereichen noch etwa 28,6 Millionen Tonnen über die Kaikanten gegangen seien, habe man 2009 rund 23 Millionen Tonnen umgeschlagen.

Sämtliche von Rostock aus verschifften Ladungsarten waren von der weltweiten Konjunkturdelle betroffen: Schüttgüter (minus 9 Prozent) und Flüssiggüter (14 Prozent) ebenso wie «rollende Ladung» im Fährverkehr (26 Prozent). Bei der klassischen Stückfracht schrumpfte das Volumen sogar um mehr als ein Drittel (35 Prozent). Im Personenverkehr nach Dänemark, Schweden, Finnland und Lettland war der Rückgang der Passagierzahl um knapp 300 000 auf 2,1 Millionen ebenfalls beträchtlich. Die Zahl der auf Fähren beförderten Lastwagen sank von knapp 420 000 auf 303 000.

Das Schlimmste glauben die Hafen-Manager in Rostock immerhin hinter sich zu haben. Ein ähnlich herbes Minus wie im vorigen Jahr dürfe in naher Zukunft kaum zu erwarten sein.

Auch das nach eigenen Angaben «gute Finanzergebnis» aus Verpachtungsgeschäften und sonstigen Dienstleistungen macht dem Hafen-Chef Mut für das schwierige Jahr 2010. Details zu vorläufigen Umsatz- oder Gewinnzahlen will Bauermeister noch nicht nennen. Trotz schlechter Umschlagentwicklung hält er aber an seinen Ausbauplänen fest. Nach Infrastruktur-Investitionen von 24,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr sollen 2010 rund 35 Millionen Euro für den Hafen ausgeben werden, um unter anderem eine große Pier zu erweitern.

Der Abriss des alten «Finger-Anlegers» im Warnemünder Kreuzfahrt-Hafen habe den Einlauf der Schiffe schon erleichtert. Die Zukunft der gesamten Fährgeschäfts bleibt indes vage. Das möglicherweise endgültige Aus der Scandlines-Fährverbindung von Rostock ins lettische Ventspils möchte Bauermeister nicht weiter kommentieren. «Es ist schwer vorstellbar, aber wir müssen das erstmal hinnehmen.»

Das Land kündigte unterdessen an, Mecklenburg-Vorpommerns größtem maritimen Umschlagsplatz weiter finanziell unter die Arme zu greifen. Eine Studie des Ostseeinstituts für Marketing, Tourismus und Verkehr der Rostocker Universität zeige, dass seine Beschäftigungseffekte vor allem in angeschlossenen Branchen zuletzt deutlich zugelegt hätten - laut Institutschef Martin Benkenstein waren 2008 landesweit mehr als 8800 Jobs vom Hafen abhängig. Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) sicherte zu, den «Wirtschaftsmotor Seehafen» trotz Krise am Laufen zu halten: «Wir werden ihn weiter unterstützen.»

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