Verhaltene Freude

Obwohl das Land Mecklenburg-Vorpommern den Weg zur Verlängerung der Wadan- Transfergesellschaften freigemacht hat, hält sich das Lob für das Schweriner Kabinett in Grenzen.

Zwar sei es zu begrüßen, dass die restlichen knapp 800 Kollegen in Wismar und Rostock-Warnemünde Anfang Januar nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen werden müssten, sagte der frühere Wadan-Betriebsrat Harald Ruschel gestern. „Trotzdem sind wir insgesamt nicht zufrieden mit der Entscheidung der Landesregierung." Nach deutschem Insolvenzrecht und bei entsprechender Finanzierungsbereitschaft habe man die Auffanglösung nicht nur bis Ende März, sondern bis Ende Juli ausdehnen können. Die Insolvenzverwaltung begrüßte die Verlängerung, wies jedoch zugleich auf die weiterhin dramatische Auftragslage hin.

Die Zahl der zu rettenden Arbeitsplätze in Warnemünde hänge vor allem vom Weiterbau zweier Containerschiffe für die Reederei Laeisz ab, erklärte Sprecher Lars Rosumek. „Es ist immer noch unser Ansinnen, uns gütig zu einigen", sagte er mit Blick auf die schleppenden Gespräche. Die Reederei weigert sich, die Schiffe zum ursprünglich vereinbarten Preis von 84 Millionen Euro abzunehmen. Laeisz-Chef Nikolaus Schües verwies auf Klauseln, die für den Fall einer Zahlungsunfähigkeit der Werft ein Kündigungsrecht einschlössen: „Es kann nicht sein, dass Laeisz allein die Kosten in dieser Lage trägt."

Rosumek hatte nach der Zusage des Landes, die Auffanglösung bis ins Frühjahr aufrechtzuerhalten, an Laeisz‘ Verantwortung „für die Arbeitsplätze an ihrem Firmensitz" appelliert. Erst Anfang der Woche seien weitere Verhandlungen über die Abnahme der Schiffe ergebnislos vertagt worden. Wie die Landesregierung müsse nun auch Laeisz seinen Beitrag leisten, forderte die Insolvenzverwaltung.

Mit gemischten Gefühlen reagierten dagegen die Arbeitnehmer- Vertreter der Werften, die bis zur Übernahme durch den russischen Investor Witali Jussufow im August als drittgrößter Schiffbaubetrieb in Deutschland galten. „Auch wenn die Leute nicht schon im Januar zum Arbeitsamt müssen: Das Koma wird verlängert", meinte Ruschel. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) hätten sich als „konzeptionslos" erwiesen, eine Anschlussfinanzierung bis zum Sommer sei letztlich nicht ernsthaft diskutiert worden.

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