„Viel Kopfkino“ am Schiffssimulator

„In sixty, in nine-twenty. Ihr habt fünf Umdrehungen Unterschied, das ist uns natürlich aufgefallen“, tönt es vom Instruktor aus dem Walkie-Talkie. Gebannt blickt der Lotse auf die Lage des Kreuzfahrtschiffs im Display. Es ist die 337 Meter lange „Aidanova“ mit Platz für bis zu 6000 Passagiere, deren Einfahrt in den Hamburger Hafen auf einer Leinwand simuliert wird. Davor sind auf der 1:1 nachgebauten Schiffsbrücke drei Lotsen damit beschäftigt, das Schiff mit Propellerantrieb und LNG-Betankung sicher im Hafen zu manövrieren.

„Das Schiff an sich ist nicht das Problem. Wir versuchen gerade, uns diese Kommandosprache anzueignen“, berichtet der Hamburger Hafenlotse Arne Wegener. Die in Englisch genannten Zahlen, die durch den Raum schwirren, geben die Grade an, um den die Antriebe nach Steuerbord oder Backbord gedreht werden. „Man muss viel Kopfkino, viel Vorstellungskraft haben, um zu verstehen, was unten mit den Antrieben passiert, wo sie hinzeigen und was sie dann bewirken. Das ist nicht ganz alltäglich, denn die meisten Schiffe haben eine Schiffsschraube und ein Ruder und keinen 360 Grad drehbaren Antrieb.“ Für Wegener ist das Ende 2018 in Fahrt gebrachte Schiff trotz seiner mehr als 20-jährigen Berufserfahrung eine Herausforderung.

„Die Simulatorausbildung ist international vorgeschrieben“, erläutert der Geschäftsführer des Marine Training Center (MTC) in Hamburg, Heinz Kuhlmann. Jährlich besuchen bis zu 5000 Teilnehmer aus Europa und Asien die MTC-Kurse, die es unter anderem auch an Radar- und Maschinensimulatoren und einer Hochspannungsanlage gibt. Seit zehn Jahren leitet Kuhlmann das in einem Gewerbegebiet beim Volksparkstadion gelegene, von außen unscheinbare Zentrum. Es wird von elf Gesellschaftern getragen, darunter drei Reedereien, die Lotsenbruderschaft Elbe, der Motorenhersteller MAN und der Schiffszertifizierer DNV GL. Die Finanzierung läuft über Kursgebühren und Einnahmen aus nautischen Studien.

Von Hamburg über den Nord-Ostsee-Kanal bis in die Kadetrinne und in die Häfen von Singapur und Shanghai, Yokohama und Los Angeles reichen die MTC-Trainingsgebiete. Notfälle an Bord können ebenfalls im MTC trainiert werden. Dazu wird ein Schiffs- mit dem Maschinensimulator gekoppelt. Er ist ausgelegt für ein mit 5000 TEU beladenes Containerschiff. Unten, einige Treppen tiefer im MTC-Gebäude, sind dann Ingenieure im Einsatz, im oberen Stockwerk, auf der Brücke, die Nautiker. lno/aki/fab

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