VUMV-Chef kritisiert Hilfen für Wadan
Die Verlängerung der Transfergsellschaften für die ehemaligen Wadan-Beschäftigten bis Ende Juli untergräbt aus Sicht vieler Unternehmer die Bemühungen von Konkurrenz-Werften im Spezialschiffbau.
Die Bereitschaft zu Innovationen mit Weltmarktchancen wird gehemmt, wenn die Schweriner Landesregierung weiter ausgerechnet diejenigen Betriebe fördere, die zu lange auf klassische Containerschiffe gesetzt hätten. Das erklärte der Hauptgeschäftsführer der Landes-Unternehmensverbände (VUMV), Lothar Wilken. „Viele der kreativen Werften sagen: Nun haltet bitte nicht den mit Steuermitteln gepäppelten Mitbewerber künstlich am Leben."
Wilken mahnte, dass sich Schiffbauer und Zulieferer benachteiligt fühlen könnten, die im Wettbewerb gegen die Niedrigpreis-Konkurrenz aus Asien frühzeitig Nischen genutzt hätten. „Es sind ja nicht alle Werften in den gleichen Schwierigkeiten." Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sorge in der Unternehmerschaft für Stirnrunzeln, wenn er bei den heutigen Nordic Yards nach bislang 17 Millionen Euro weitere knapp neun Millionen nachlege – zugleich aber immer wieder an die Verantwortung der Banken appelliere, neue Darlehen zu geben.
Mit Blick auf das neuerliche Treffen zwischen der Landesregierung und Nordic-Eigentümer Vitaly Yusufov am heutigen Dienstag gab sich Wilken wenig erwartungsfroh. „Maximal kommt ja erstmal nur ein Schiff. Ich glaube nicht, dass nächste Woche plötzlich die Finanzierung steht."
Eine Transfer-Verlängerung sei nicht sinnvoll, „wenn man nicht weiß, wo das andere Ufer ist". Kleine Betriebe hätten keine Chance auf gesonderte Staatsgelder, sie müssten sofort Kurzarbeitergeld beantragen oder ihre Beschäftigten aus eigenem Antrieb weiterbilden. „Da gilt das ganz normale Recht der Bundesagentur für Arbeit."
Die ausgeweiteten Landesmittel fehlten anderswo, bemängelte Wilken. „Die werden umgeschichtet aus anderen Geldern für den Arbeitsmarkt – zum Beispiel für Integration von Langzeitarbeitslosen, Rückkehrer aus der Elternzeit oder Jugendliche." Die Hilfen würden in den Transfergesellschaften gehalten, obwohl sie besser für die Qualifizierung in innovativen Firmen eingesetzt werden könnten.
„Der wichtigste Punkt ist, dass bei den Betroffenen der Schalter umgelegt wird, dass sie sich für andere Arbeitsangebote um ihre Werft herum öffnen", forderte Wilken. Vor allem die Offshore-Industrie brauche weitere Fachkräfte. „Wir müssen den Wandel auch zulassen."
Der Finanzausschuss des Landtags hatte am vergangenen Donnerstag den Regierungsplänen zur Verlängerung der Auffanggesellschaften für Mitarbeiter der insolventen Wadan-Werften zugestimmt. Das Land steuert nun 8,6 Millionen Euro zu deren Finanzierung bei. Die Auffanggesellschaften in Wismar und Rostock-Warnemünde haben vier Monate länger, bis 31. Juli, Bestand.
Zugleich wurde Nordic Yards ein 20-Millionen-Euro-Darlehen zugesichert. Dies ist wichtig, damit die Finanzierung eines 100 Millionen Euro teuren Tankerneubaus in Wismar zustande kommt.