Weihnachtstradition für Seeleute
Deutsche Weihnachtslieder und Geschenke sollen bei den über die Feiertage arbeitenden Seeleuten in aller Welt das Gefühl von Einsamkeit verhindern. Die Deutsche Seemannsmission (DSM) hat den Besatzungen Weihnachts-CDs mit einer auf sie zugeschnittenen Predigt und beliebten Liedern wie «Stille Nacht» geschickt, sagte die Generalsekretärin Heike Proske in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Bremen. Auch Pakete mit Gebäck, selbst gestrickten Socken und Telefonkarten sollen die Seeleute aufheitern. In den 33 Stationen der DSM im In- und Ausland werden zudem Gottesdienste angeboten.
Auch im wirtschaftlichen Krisenjahr sind nach Angaben der Organisation etwa zwei Millionen Seeleute monatelang von zu Hause weg. «Allein sein drückt immer auf die Stimmung. Das führt zu Unaufmerksamkeit, die während der Fahrt an Bord ein großes Problem ist», erklärte die evangelische Pastorin. Auch komme es schneller zu Konflikten. Wer über die Festtage Dienst habe, frage sich häufig: «Warum muss ich gerade jetzt hier sein, wo alle anderen freihaben und mit ihren Familien zusammen sein können?», erläuterte Proske.
Früher hätten Seeleute oft ihre Frauen über Weihnachten und den Jahreswechsel mit an Bord nehmen dürfen. Doch das sei wegen neuer Sicherheitsbestimmungen schon seit Jahren nicht mehr erlaubt. Die gespendeten Telefonkarten ermöglichten Seeleuten, ihren Familien und Freunden direkt Weihnachtsgrüße auszurichten, sagte Proske. Das sei für die Betroffenen eine «Kraftquelle».
An Bord hoch technisierter Containerfrachter mit Neonlampen und brummender Schiffsmotoren lasse sich die Mannschaft einiges einfallen, um es sich am Fest der Liebe und des Friedens auch fern der Heimat schön zu machen, berichtete Proske. Künstliche Tannenbäume, mit Kugeln und Lebkuchen geschmückte Girlanden und Fensterbilder dekorierten häufig die sonst eher tristen Räume. Auf den internationalen Schiffen gebe es auch viele Gläubige anderer Religionen. «Es wird aber respektiert, dass es für manche an Bord ein sehr wichtiges Fest ist», sagte die Theologin. «Meist feiern einfach alle mit.»