Wilhelmshaven trübt Bilanz

Der Automobilumschlag im Hafen Emden ist um 15 Prozent gestiegen. Foto: Hero Lang
Niedersachsen macht seine Seehäfen fit für mehr Umschlag in den kommenden Jahren. Bis zum Jahr 2025 solle die Menge der Seegüter bundesweit von derzeit 226 Millionen Tonnen auf 600 Millionen Tonnen klettern, sagte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) am Montag in Oldenburg. Niedersachsen werde daher in den Haushaltsjahren 2012/2013 zusätzlich 19 Millionen Euro für den Hafenausbau bereitstellen. Insgesamt liege diese Summe bei rund 58 Millionen Euro. Bode bezeichnete die Lage der Seehäfen des Landes als besonders vorteilhaft: Anders als bei den Mitbewerbern gebe es hier viele Flächen für Umschlag, Logistik und die hafennahe Produktion von Gütern.
2011 hatten fast alle niedersächsischen Seehäfen ihren Umschlag erhöht. Mit 46,1 Millionen Tonnen (2010: 46,5 Millionen) liege das Land beim Umschlag auf Platz 3 in Deutschland. Das Gesamtergebnis sei jedoch um ein Prozent zurückgegangen, sagte Andreas Bullwinkel, Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen, zur Jahresbilanz. Grund war der rückläufige Ölumschlag nach dem Produktionsstopp in Deutschlands zweitgrößter Raffinerie in Wilhelmshaven. Hinzu kam die unklare politische Situation im Ölexportland Libyen.
Ursprünglich hatte Seaports für 2011 eine stabile Geschäftslage erwartet. 2010 war der Umschlag wegen der Probleme in der Wilhelmshavener Raffinerie deutlich um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.
Für das laufende Jahr erwartet Bode bei den Seehäfen einen Zuwachs von zwei bis drei Prozent. Auch Wilhelmshaven werde durch mehr Umschlag von Kohle und Containern wieder zulegen. Zum größten Projekt mit nationaler Bedeutung werde sich dort der neue Tiefwasserhafen entwickeln. Im JadeWeserPort als zentralem Dreh- und Ankerpunkt des internationalen Containerverkehrs sollten mehr als 2000 Arbeitsplätze neu entstehen. Dort werde auch ein privater Investor aus China groß einsteigen.
Bis Mitte des Jahres will die Landesregierung ein Hafenkonzept vorstellen, in dem auch Zusammenhänge von der Produktion bis zum Umschlag berücksichtigt werden sollen, etwa beim Offshore-Bereich. "Wir brauchen Abstimmung untereinander, um bei angespannter Haushaltslage Fehlinvestitionen auch von Steuergeldern zu vermeiden", sagte Bode. Er erwarte daher auch private Investitionen neben den vom Staat geschaffenen Infrastrukturen.