Wrack der "Costa Concordia": Öl wird abgepumpt

Am sechsten Tag nach der Havarie der „Costa Concordia“ wurde gestern die Suche nach Vermissten fortgesetzt, auch wenn ein weiteres Absinken des Kreuzfahrtschiffes droht. Zuvor musste die Bergung unterbrochen werden, weil die Gefahr für die Rettungsmannschaften zu groß wurde, als das Wrack ein Stück vom Fels gerutscht war und sich das Wetter verschlechterte. Bislang wurden elf Tote geborgen.


Indes hat die Reederei Costa Crociere den Kapitän der „Costa Concordia“ mit sofor­tiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Das Genueser Unternehmen werde Fran­cesco Schettino auch nicht verteidigen, sagte ein Costa-Anwalt gestern in Grosseto. Costa Crociere sehe sich nach dem Schiffbruch selbst als geschädigt an. Neben der menschlichen Tragödie sei dem Unternehmen erheblicher Schaden zugefügt worden. Schettino wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Verursachen einer Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.


„Das Schiff liegt weiterhin in unsicherer Lage in einer Untiefe“, erklärte ein Sprecher der Rettungsmannschaften. Die Taucher müssten deshalb vorsichtig vorgehen. „Jede Verlagerung würde Gefahr bedeuten, und wir müssten die Operationen erneut einstellen.“ Rettungsteams und Taucher wollten sich bei der Suche vor allem auf die unter Wasser liegende vierte Brücke des Schiffes konzentrieren. Sie hatten in den vergangenen Tagen Sprengstoff eingesetzt, um sich Zugang ins Innere des Schiffes zu verschaffen. Meteorologen haben stärkere Winde in der Region vorhergesagt, mit bis zu zwei Meter hohen Wellen. Sie könnten das Schiff weiter versinken lassen, fürchtet Italiens Umweltminister Corrado Clini. Nahe dem Wrack gebe es einen 50 bis 90 Meter tiefen Abhang.


Das Abpumpen von Öl aus den Tanks des Schiffs wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern. Die Arbeiten sollen heute beginnen. Nach Angaben der Reederei sollen mindestens 1900 Tonnen Treibstoff an Bord sein. Das niederländische Bergungsunternehmen Smit Salvage hatte einen Plan zum Abpumpen ausgearbeitet und mit den italienischen Behörden abgestimmt.

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