„Atair“ fährt mit Schottel-Antrieben

Das 75 Meter lange Spezialschiff „Atair“ fährt mit Antrieb und Steuerung von Schottel. Die Technik des Herstellers trägt durch ihre besonders leise Ausführung auch zu guten Möglichkeiten für Forscher bei, Foto: Timo Jann

Schottel als weltweit führender Hersteller von Antrieben und Steuerungen für Schiffe hat das neue Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Atair“ des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) ausgerüstet. Das Antriebssystem der „Atair“ umfasst einen Schottel-Pump-Jet Typ SPJ 220 (1000 kW), einen Schottel-Transverse-Thruster Typ STT 1 FP (330 kW) im Bug und einen Schottel-Transverse-Thruster Typ STT 170 FP (200 kW) im Heck. Damit erreicht das Forschungsschiff maximale Manövrierfähigkeit. Der Pump Jet kann außerdem als Take-Home-Device verwendet werden.
Die „Atair“, die auf der niedersächsischen Fassmer Werft in Berne gebaut und dort im Herbst 2019 getauft wurde, absolviert derzeit umfangreiche Tests.
Das neueste BSH-Schiff gilt als das weltweit erste seegängige Behördenschiff mit emissionsarmem Flüssiggasantrieb: Denn angetrieben wird die „Atair“ von verflüssigtem Erdgas (LNG). An Bord befindet sich ein 130 Kubikmeter großer Tank, der es ermöglicht, zehn Tage ausschließlich im LNG-Betrieb zu fahren. Für den ebenfalls möglichen Dieselbetrieb (Dual Fuel) wird hochwertiges Gasöl mit einem Schwefelgehalt unter 0,1 Prozent verwendet. Darüber hinaus erfüllt das neue BSH-Schiff strengste Standards für die Emissionen von Stickoxiden gemäß den Vorgaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO Tier III). Es entspricht weiterhin den Vorgaben des vom deutschen Bundesumweltministerium verliehenen Gütesiegels „Blauer Engel“ für umweltfreundliches Schiffsdesign.
Das 114 Millionen Euro teure neue Schiff bietet Platz für insgesamt 18 Besatzungsmitglieder und 15 Wissenschaftler, denen mehrere Labore, eine Einrichtung zur Luftschadstoffmessung in der Seeschifffahrt, ein Arbeitskran, Schiebebalken für geologische Arbeiten am Meeresboden, ein 200 Quadratmeter großes freies Arbeitsdeck und eine umfangreiche Tauchausrüstung mit Taucherdruckkammer zur Verfügung stehen.
Die „Atair” ist 75 Meter lang und damit das größte Forschungsschiff der BSH-Flotte. Außerdem entspricht es den höchsten Umweltanforderungen. Die besonders leisen Antriebssysteme sorgen für mehr Umweltschutz. So konnten die Unterwassergeräusche des Schiffes optimiert werden, auch die Schottel-Antriebe zeichnen sich durch besonders geringe Geräuschemissionen aus. Damit werden die Meeresumwelt geschützt und gleichzeitig optimale Bedingungen für das wissenschaftliche Arbeiten an Bord gewährleistet.
Das neue Schiff wird ihre gleichnamige Vorgängerin von 1987 ersetzen, die 25 Meter kürzer war. Das BSH geht davon aus, den Neubau im ersten Halbjahr 2020 in Dienst stellen zu können. Heimathafen wird dann Rostock, dort liegen auch die anderen Schiffe der Behörde. Das BSH will die eigene Flotte über die „Atair“ hinaus erneuern: Für die Bestandsschiffe „Deneb“ und „Wega“ ist Ersatz geplant, ob die Neubauten dann ebenfalls mit LNG fahren werden, ist noch unklar. tja
