Bei Ölverschmutzung Schwamm drüber

Wie Forscher Ed Barry demonstriert, kann der Oleo Sponge gebundenes Öl wieder freigeben (Foto: Argonne National Laboratory, Mark Lopez)
Im Kampf gegen Ölverschmutzungen in den Weltmeeren haben Forscher ein neues Mittel entwickelt: einen Schwamm.
Den Anstoß für die Arbeit des Argonne National Laboratory (ANL) gab die „Deepwater-Horizon“-Katastrophe vor sieben Jahren, die als schlimmste Ölverschmutzung der US-Geschichte gilt. Doch aus dem Desaster ließen sich auch neue Erkenntnisse gewinnen. So zum Beispiel hatte man entdeckt, dass nicht die gesamte Menge des ausgetretenen Öls an die Oberfläche gelangte, wo es entfernt und verbrannt werden konnte. Stattdessen sammelten sich auch unter Wasser Schadstoffwolken, wie das ANL sie bezeichnet, die uneingedämmt im Meer schwimmen konnten.
Um künftig dagegen vorgehen zu können, haben die Wissenschaftler in Illinois den „Oleo Sponge“ entwickelt. Das Konzept ist im Prinzip denkbar einfach: Die Forscher haben mit einem simplen Haushaltsschwamm begonnen – der aufgrund seiner Struktur eine große Angriffsfläche bietet, auf der er andere Stoffe bindet – und ihn so angereichert, dass er Öl direkt aus dem Wasser saugen kann.
Im Ergebnis einer langwierigen Experimentierphase entstand der „Oleo Sponge“, der vom ANL in seiner optischen Erscheinung mit einem Sitzpolster für Gartenmöbel verglichen wird. Bis zur 90-fachen Menge seines Eigengewichts soll er aufnehmen können.
Öl kann wiederverwendet werden
Den Stoff verbindet neben seiner Saugkraft noch eine andere Eigenschaft mit seinem alltäglichen Gegenstück: Genau wie ein handelsüblicher Haushaltsschwamm lässt sich auch der Oleo Sponge auswringen. So kann das aus dem Meer entfernte Öl im zweiten Schritt sogar wiederverwendet werden, erklärt Seth Darling vom Team des ANL. „Das Material ist extrem robust“, sagte er. „Auch nach Hunderten Tests haben wir noch keine Gebrauchsschäden festgestellt.“
Einige dieser Tests fanden im „Ohmsett“ statt, einem riesigen Salzwassertank in New Jersey, in dem unter anderem Ölverschmutzungen und deren Beseitigung simuliert werden. Dort hatte sich endgültig bestätigt, dass der Oleo Sponge tatsächlich Öl an der Wasseroberfläche, aber auch darunter binden kann.
Während das Forschungs team rund um Darling aktiv an der Weiterentwicklung des Schwamms arbeitet, stellt er sich bereits reale Einsatzszenarien abseits der nächsten Ölkatastrophe vor. So sei auch eine regelmäßige Anwendung in Häfen denkbar, wo sich Restöle aufgrund des hohen Schiffs aufkommens ansammeln. Darling denkt sogar noch weiter: „Die Technik ist so flexibel, dass auch ganz andere Substanzen aufgenommen werden können.“ Dann müsse lediglich der bindende Stoff im Oleo Sponge ein anderer sein.
Lizenzpartner gesucht
Aktuell geht es aber erst einmal darum, die Entwicklung überhaupt im Markt zu platzieren. Dazu ist das ANL jetzt auf der Suche nach Lizenz- und Entwicklungspartnern aus der Wirtschaft. Bisher wurde das Forschungsprojekt von der U.S. Coast Guard und dem Bureau of Safety and Environmental Enforcement sowie dem US-Energieministerium finanziert.
ANL-Angaben zufolge soll der Oleo Sponge in weniger als fünf Jahren markttauglich sein. ger