Landstrom bleibt Top-Thema für Hamburg

Für den von SPD und Grünen geführten Hamburger Senat ist das Thema „Landstromversorgung für Schiffe während der Hafenliegezeiten“ überhaupt nicht vom Tisch.

Das stellte Wirtschaftsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD) am Rande des traditionellen Messeempfangs des Hamburger Hafens auf der „tl“ in München am Mittwochabend gegenüber dem THB klar. Rieckhof bezog damit noch einmal direkt Stellung zu einer vorangegangenen Berichterstattung in verschiedenen Medien, darunter auch dem THB, zur weiteren Zukunft des mobilen, LNG-gespeisten Landstromversorgungssystems PowerPac.

Das System wurde ursprünglich durch das mittelständische Schiffszuliefererunternehmen Becker Marine Systems aus Hamburg entwickelt. Ein Vorhaben, das seinerzeit auch mit erheblichen Bundeszuschüssen finanziell gefördert wurde. Im Sommer 2018 wurde ein solches PowerPac-System dann, nach vorangegangenen ersten Versuchen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Rahmen eines größeren Medien-Events auf dem Container Terminal Burchardkai (CTB) der HHLA präsentiert und dabei als besonderer Hoffnungsträger angepriesen. So sah es unter anderem auch der ehemalige Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos).

Die aktuellen, verschiedenen Medienberichte zum PowerPac-System bezogen sich jetzt auf Antworten des SPD-Grünen-Senats auf eine schriftliche Kleine Anfrage des Hamburger FDP-Bürgerschaftsabgeordneten und Hafenexperten Michael Kruse zum Sachstand und zur Zukunft des innovativen Systems. Dazu hatte dann direkt der Verein Hamburger und Bremer Schiffsmakler (VHBS) Stellung bezogen.

Indes teilte Becker Marine Systems mit, dass das PowerPac-System am 20. Juni einem 24-Stunden-Test auf dem CTB der HHLA unterzogen werden soll. Vor geladenen Gästen nationaler und internationaler Container-, RoRo- und Fährhäfen und Reedereien sowie Vertretern der Hamburger Behörden würden dann erstmals zwei Prototypen der mobilen Landstromlösung zusammengeschlossen. Zusammengeschaltet erzeugen diese beiden Aggregate Unternehmensangaben zufolge drei Megawatt sauberer Energie zur Landstromversorgung von Schiffen. Die Erkenntnisse dieses und weiterer Tests sollen laut Becker Marine Systems in das Seriendesign der PowerPacs einfließen.

Wirtschaftsstaatsrat Rieckhof sagte dem THB weiter, dass die Landstromversorgung im Hafen schon deshalb auf der Tagesordnung fest verankert sei, weil sie „ein zentraler Bestandteil des Luftreinhalteplans“ der Hansestadt sei. Dieser werde auf keinen Fall in diesem Punkt „revidiert“. Wie man das umweltpolitische Ziel Luftreinhaltung weiter erreichen wolle, müsse „jetzt aber noch mal neu diskutiert werden“, so Rieckhof weiter.

Ein ganz wichtiger Aspekt sei dabei auch, dass ein solches Versorgungssystem auch klaren Wirtschaftlichkeitskriterien genügen müsse. Zum Hintergrund: Bevor das in containerisierter Form ausgestaltete System das Schiff mit Strom versorgen kann, sind verschiedene Schritte vonnöten, unter anderem die Verladung solcher Systeme an Bord eines Schiffes. Die dabei zum Beispiel anfallenden zusätzlichen Umschlagkosten müssen jedoch getragen werden. Eine entsprechende Diskussion darüber, wer dafür einzustehen hat, deutete sich bereits im Sommer 2018 im Rahmen der Presseveranstaltung an. Zudem ist die Nutzung eines solchen Systems auch mit der Erteilung verschiedener Umweltschutzgenehmigungen verbunden, was ebenfalls mit einem entsprechenden administrativen Aufwand verbunden ist.

Und auch das spielt im Zusammenhang mit der PowerPac-Nutzung eine Rolle: die Belastung des so erzeugten Stroms mit der deutschen EEG-Umlage. Trotz verschiedener Ankündigungen vonseiten der Bundesregierung und einer klaren Verankerung dieses Aspekts im Koalitionsvertrag der Berliner GroKo ist eine Lösung des Themas „Senkung oder gar Abschaffung der EEG auf Landstrom im Allgemeinen noch keinesfalls eine beschlossene Sache. Zuletzt hatte der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Norbert Brackmann (CDU), im Mai auf der 11. Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) in Friedrichshafen einen Durchbruch in der Causa „EEG“ für den Herbst in Aussicht gestellt.

Rieckhof betonte gegenüber dem THB weiter, dass das Power Pac-System nicht als der einzige Landstrom-Lösungsansatz für Hamburg gesehen werden könne. Vielmehr müsse geschaut werden, „ob es auch andere Möglichkeiten gibt“. Dieser Diskussionsprozess sei voll im Gang. Der weitere Verlauf und Ausgang dieser Gespräche müsse in jedem Fall abgewartet werden, stellte Rieckhof klar. EHA

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben