Ozeane „am Rande des Kollapses“
Die Überfischung, der steigende Meeresspiegel und Plastikmüll gehören zu den Faktoren, die den Weltmeeren seit Jahren zusetzen.
Den größten Einfluss übt dabei das Handeln des Menschen aus. „Wir sind dabei, den Ozean an den Rand des Kollapses zu treiben“, sagte Barbara Unmüßig von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung bei der Vorstellung der Ergebnisse aus dem Projekt „Meeresatlas“. Eine deutliche Ausweitung der Schutzgebiete sieht Unmüßig als notwendige Forderung, um künftigen Gefahren, wie etwa durch den Tiefseebergbau, entgegenzuwirken.
Die Studie „Meeresaltas“ der Heinrich-Böll-Stiftung fungiert als Zustandsbericht und beschäftigt sich mit den Daten und Fakten über den Umgang der Menschen mit dem Ozean. Ziel ist es, auf die Bedrohung der Weltmeere hinzuweisen und zu informieren.
Auch die Populationen der Arten sind bedroht. Sie haben sich in den vergangenen Jahren drastisch vermindert. Bei den Meeresschildkröten sind es minus 96,5 Prozent, bei den Rifffischen minus 89,4 Prozent und bei den Haien minus 87,6 Prozent. Die stark dezimierten Meeresbewohner sind nur ein Aspekt, von dem Kieler Meereswissenschaftler im ersten „Meeresatlas“ berichten. Die Bilanz: Die Weltmeere stehen unter wachsendem Druck und die Probleme sind menschengemacht. Eine Auswahl:
Meeresspiegel: Seit dem Jahr 1900 waren es im weltweiten Mittel rund 20 Zentimeter, die der Meeresspiegel angestiegen ist. Neben dem schmelzenden Eis ist auch das ausdehnende Wasser im Zuge der Klimaerwärmung Grund dafür. Für die Zukunft wird ein weiterer Anstieg erwartet, bei dem noch nicht absehbar ist, wie sich dieser regional auswirkt.
Fischerei: Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung steigt auch die Nachfrage nach Nahrung. Knapp ein Drittel der weltweiten Fischbestände gelten laut Atlas bereits als überfischt oder gar zusammengebrochen. 58 Prozent der Bestände seien maximal ausgenutzt. Auch illegale Fischerei wird als Riesenproblem gesehen.
Plastik: Die Fischbestände sinken und der Müll im Meer wird mehr. Etwa acht Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Meer, zumeist aus Flüssen. Etwa 99 Prozent sinkt dem Bericht zufolge auf den Tiefseeboden ab. Besonders gefährlich wird das für Fische, die das Plastik mit Plankton verwechseln. Daraus entsteht ein Kreislauf, bei dem der Müll am Ende wieder beim Menschen auf dem Teller liegt.
Todeszonen: So werden sauerstoffarme Zonen genannt, wo kaum mehr etwas oder nichts mehr lebt - weder Fische noch Muscheln noch Seegras. Diese Bereiche finden sich oft in Flussmündungsgebieten. Abwässer, die etwa große Mengen von Kunstdünger und Gülle aus der Landwirtschaft enthalten, lassen das Meer umkippen. Eine Todeszone befindet sich im Golf von Mexiko vor dem Missisippi-Delta, aber auch hier in Deutschland in der Ostsee sei der Sauerstoffgehalt seit Jahrzehnten stark rückläufig.
Unmüßig bezeichnet die Meere als am wenigsten geschützte Gebiete der Welt. Nur 1,6 Prozent der Flächen sind streng oder voll geschützt und das obwohl der Ozean 71 Prozent des Globus bedeckt. Nach Forderungen von Umweltschützern und Wissenschaftlern sollten 20 bis 50 Prozent unter Schutz gestellt werden, damit sich die Gebiete wieder erholen können. dpa/jus