„Schaufenster für eine grüne Schifffahrt“

Bringt sich mit seiner großen Expertise ebenfalls in ein Projekt ein: die Reederei Nor Lines , Grafik: DNV GL

Norwegens Fjorde: ebenso schön wie verwundbar , Foto: Arndt
Norwegen strebt eine weltweite Spitzenposition in der umweltfreundlichen Schifffahrt an.
„Wir wollen so etwas wie das Schaufenster für eine grüne Küstenschifffahrt sein“, sagte jetzt Narve Mjøs, Chefkoordinator des ambitionierten Programms. Nachdem die Regierung in Oslo bereits in diesem Sommer ein Grundsatzpapier zur grünen maritimen Strategie vorgelegt hatte, fahren die deutsch-norwegische Schiffsklassifikationsgesellschaft DNV GL sowie weitere 25 Projektpartner jetzt im Kielwasser der Regierung. Gemeinsam verständigten sie sich auf fünf Vorhaben, die in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt werden. Neben den Schiffen sind in diese Vorhaben ausdrücklich auch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen mit einbezogen. Zwei große Schwerpunkte fallen in diesem Projekt-Quintett auf: Zum einen spielt LNG als alternativer Treibstoff eine zentrale Rolle. Zum anderen geht es dar um, Norwegens großes Potenzial an umweltfreundlichem, aus Wasserkraft gewonnenem Strom ebenfalls viel stärker als alternative Antriebsenergie für die Schifffahrt zu nutzen. Ein ers ter Schritt auf diesem Weg war in diesem Jahr bereits die Inbetriebnahme der Fjord-Fähre „Ampere“ zum Transport von Lkw und Pkw sowie zur Beförderung von Passagieren auf dem umweltsensiblen Sognefjord. Die Fähre wird zu hundert Prozent mit elektrischer Energie angetrieben.
Mit den jetzt definierten fünf Projekten sollen zugleich für unterschiedliche Einsatzbereiche geeignete Prototypen entwickelt, erprobt und zur Großserienreife geführt werden. Neben dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit in einem Land, dessen Küstengewässer besonders sensibel sind, geht es darum, innovative Antriebssysteme zu entwickeln, die die Wirtschaftlichkeit und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrsträgers Schiff gegenüber Landverkehrsträgern weiter verbessern. Zu den Besonderheiten des Aktionsprogramms gehört auch, dass es von führenden Unternehmen der Wirtschaft getragen wird, womit die Projekte klar unter dem Gesichtspunkt der praktischen Umsetzbarkeit vorangetrieben werden. Die Einzelvorhaben in Kürze:
◼ Unter Beteiligung der Reederei Nor Lines – sie setzt heute schon zwei LNG-Frachtschiffe im Linienverkehr ein – soll ein sogenannter Plug-in Hybrid LNG/Batterie-Antrieb für ein Shortsea-Container-Schiff mit eigenen Bordkranen entwickelt werden.
◼ Das Unternehmen Teekay Tankers wirkt an der Entwicklung eines Shuttle-Tankers mit einem Antriebskonzept mit, das auf Batterie energie und Energie, die aus flüchtigen organischen Verbindungen gewonnen wird, zurückgreift.
◼ Beim dritten Vorhaben wirken die Unternehmen ABB und die Cargo Freighters’ Association mit. Hier geht es ebenfalls um die Entwicklung eines Hybridantriebs, der besonders wirtschaftlich sein soll.
◼ Beim vierten Vorhaben steht die Landseite im Fokus: Es geht um ein System für Häfen, mit dem sich LNG besonders wirtschaftlich und umweltfreundlich bis zu den Verbrauchern verteilen lässt. Die Federführung dafür liegt beim Unternehmen Øytank Bunkerservice sowie der Norwegian Gas Association.
◼ Auch im fünften Projekt steht die Seehafenverkehrswirtschaft im Mittelpunkt. Als Projektführer tritt dabei die Hafenstadt Stavanger auf. Die Experten sollen ein Konzept für einen Hafenbetrieb der Zukunft entwickeln, dessen Errungenschaft darin besteht, dass er mit einem Minimaleinsatz an Energie die vielen Standardaufgaben eines Hafens ausführen kann. Es geht zum Beispiel um innovative Flurförderzeuge für den Ladungstransport, um innovative Krane oder auch um Landstrom-Lösungen für Seeschiffe. EHA
