Streiche Gas, setze Wasserstoff

Erdgas war gestern, „grüner Wasserstoff“ steht für die Zukunft: Die Niederlande, über Jahrzehnte hinweg auch erfolgreich bei der Erdgas-Förderung, wollen sich bis zum Ende der neuen Dekade zum Kreis der weltweit führenden Hersteller und Vermarkter von „grünem Wasserstoff“ qualifizieren.

Dieses ehrgeizige Vorhaben stellten am Donnerstag Spitzenvertreter der an dem Zukunftsprojekt „NortH2“ beteiligten Unternehmen vor. Zu diesem Kooperations-Kreis gehören neben der Hafenbetriebsgesellschaft Groningen Seaports auch die niederländische Gasunie NV sowie Shell Nederland.

Herzstück des Großvorhabens, zu dessen Kosten noch keine Angaben gemacht wurden, ist ein gewaltiger, noch zu bauender Offshore-Windpark in der Nordsee. Er soll in Teilschritten errichtet werden, wobei bis 2030 bereits Windkraft-Aggregate mit einer Gesamtleistung zwischen 3 und 4 Gigawatt zur Verfügung stehen sollen. Bereits zehn Jahre später soll dann die Gesamtleistung sogar 10 Gigawatt betragen, führten die Projektpartner aus. Letztgenannter Wert entspräche dabei dem Stromverbrauch von rund 12,5 Millionen Haushalten in den Niederlanden.

Die auf See erzeugte Energie wiederum liefert nach dem Willen des „NortH2“-Konsortiums den nötigen Strom für die Erzeugung gewaltiger Mengen Wasserstoff. Das Ziel sind ab 2040 rund 800.000 Tonnen „grüner Wasserstoff“, die künftig im Vielzweckhafen Eemshaven, der zu Groningen Seaports gehört, erzeugt werden.

Der umweltfreundliche Energieträger wird vor allem in der Industrie nachgefragt, so die Erwartung. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dann auch der sogenannte Endverbraucher in Betracht kommen.

Auch zur Wasserstoff-Logistik haben die Akteure schon jetzt klare Vorstellungen: Sie wollen dafür im Wesentlichen die Infrastruktur einsetzen, die das Unternehmen Gasunie bislang noch für sein Erdgas-Geschäft nutzt. Es geht um Tanklager ebenso wie um das Rohrleitungsnetz.

Nach Überzeugung der Projektpartner bietet das direkt an der Nordsee gelegene Eemshaven ideale Möglichkeiten, um sich zum bereits vorhandenen Geschäft in Zukunft auch als ein Drehkreuz für „grünen Wasserstoff“ in Europa zu qualifizieren.

In den Niederlanden sind die bis weit in die Nordsee hineinreichenden Erdgasfelder weitgehend erschöpft. Das Land steigt zudem beschleunigt aus der Erdgasförderung aus, weil es in der jüngeren Vergangenheit gleich mehrere Erdbeben gerade im Raum Groningen gegeben hatte. Sie verursachten Schäden und löste große Unruhe aus.  EHA 

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