Sturmfolgen: Inseln brauchen neuen Sand

Spülgang: Vermischt mit Wasser wird der Sand an den Strand gespült, Foto: Sylter Rundschau

Die Schiffe der Firma Rohde Nielsen werden Sylts Strand neu aufspülen, Foto: Hasenpusch
Mindestens 1,3 Millionen Kubikmeter Sand werden die Saugbagger, Spül- und Klappbodenschiffe der dänischen Firma Rohde Nielsen in diesem Jahr an den Stränden von Sylt und am Riff vor der Insel aufbringen müssen. Davon geht Birgit Matelski, die Direktorin des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), aus. „In den vergangenen Jahren war es meistens diese Menge. Im März machen wir eine Strandbereisung und stimmen zusammen mit den Kommunen ab, wo genau was passieren soll“, sagte Birgit Matelski dem THB.
Unter Wintersturm „Sabine“ und den mit dem Westwind einhergehenden fünf Sturmfluten nacheinander hatten die Strände an den Nord- und Ostfriesischen Inseln in der vergangenen Woche massiv gelitten. Die Deiche am Festland trotzen den Wassermassen. Mit der Firma Rohde Nielsen hat der Landesbetrieb einen vier Jahre gültigen Vertrag für den Schutz von Sylt. „Wir haben in der Ausschreibung flexible Mengen vereinbart, um auf die jeweiligen Sandverluste reagieren zu können“, erklärte die Direktorin. Und „Sabine“ hat ordentlich zugelangt.
Die Lage auf Sylt zeigt nach Einschätzung von Experten aber auch, dass es richtig war, zuletzt auch vorgelagert das Riff mit dort verklapptem Sand zu verstärken. Dieses Polster bremste den direkten Angriff auf die Substanz der Insel aus. „2005 und 2006 wurde das vor Rantum getestet und einige Jahre beobachtet. Es hat sich bewährt. Und auch der 2019 vor Westerland verklappte Sand hat sich jetzt bewährt“, so Matelski. „Diese Methode braucht keine Spülrohre und ist somit weniger aufwendig“, sagte sie. Und: An den Stränden abgetragener Sand blieb teilweise im Unterwasserstrand hängen. Der hilft, den Seegang zu brechen. „Wenn der Vorstrand gut genährt ist, haben wir viel weniger Schäden am Strand“, berichtete Arfst Hinrichsen, Morphologe beim LKN.
Auch auf den nordfriesischen Inseln Föhr und Amrum sowie vor allem auf der ostfriesischen Insel Wangerooge gab es teilweise Sandverluste. Statt für 1400 Strandkörbe zur Hochsaison wäre auf Wangerooge derzeit nur Platz für 100 Körbe. Auch am Strand von Graal an der Ostsee sind Vorspülungen geplant. Dort hatte vor einem Jahr Tief „Zeetje“ Schäden verursacht, die jetzt behoben werden sollen.
Rohde Nielsen verfügt über 13 Spezialschiffe für Sandvorspülungen. Damit wird entweder der in definierten Bereichen von Saugbaggern entnommene Sand über Rohrleitungen als Gemisch mit Wasser an Land gespült oder eben direkt von Bord aus verklappt. Das so genannte Rainbow-Verfahren, bei dem der ausgebaggerte Sand direkt über den Bug als Fontäne an Land gespritzt wird, gibt es in Deutschland nicht. Seit 1972 wurde allein auf Sylt für mehr als 235 Millionen Euro Sand aufgetragen. Insgesamt mehr als 50 Millionen Kubikmeter. Pro Tour können die Spezialschiffe etwa 2000 Kubikmeter Sand aufnehmen. Am Strand wird das Material dann mit Planierraupen verteilt und das Gelände profiliert. tja
