Antwerpen baut Bahn-Hinterlandnetz aus

Der Hafen Antwerpen will mit gezielten Anschubfinanzierungen das Angebot an bahnseitigen Hinterlandverbindungen von und nach Mittel- und Osteuropa forcieren.

Das kündigte jetzt die Hafenverwaltung des zweitgrößten europäischen Seehafens an. Antwerpen versteht sich aus der historischen Entwicklung als klassischer Eisenbahnhafen und eifert mit der aktuellen Initiative dem klaren europäischen Marktführer unter den Eisenbahnhäfen, nämlich Hamburg, nach. In den kommenden drei Jahren werden insgesamt drei Verkehrsrelationen gezielt bezuschusst. Die Verbindungen wurden im Rahmen einer im vergangenen Jahr durchgeführten EU-weiten Ausschreibung ermittelt. Aus den eingereichten Vorschlägen gingen drei Angebote hervor, die nach Überzeugung der Antwerp Port Authority (APA) ein ausreichendes Entwicklungspotenzial für den Scheldehafen, aber auch für die damit befassten Bahnoperateure versprechen.

Projekt eins wurde gemeinsam durch die Rail Cargo Logistics Austria (RCA) sowie die Firma Rail & Sea eingereicht. Es geht dabei um den weiteren Ausbau der bereits seit Mai 2015 bestehenden Eisenbahndirektverbindung zwischen Belgien und dem österreichischen Linz an der Donau. Während es sich bei RCA um die Logistiktochter der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) handelt, geht es bei Rail & Sea NV um die belgische Tochterfirma eines gleichnamigen österreichischen Logistikunternehmens. Aktuell besteht das Angebot aus drei wöchentlichen Rundläufen. Der Fahrplan soll schrittweise auf fünf pro Woche verdichtet werden.

Beim zweiten Projekt geht es um die Etablierung einer ganz neuen Verkehrsbindung, und zwar nach Tschechien. Dieser Verkehrsmarkt wird seit weit über 25 Jahren bahnseitig sehr erfolgreich über Hamburg und die HHLA-Tochtergesellschaft Metrans bedient. Antwerpen will diese Relation über das Logistikunternehmen B Logistics erschließen. Zum Gesellschafterkreis gehören mit 31 Prozent die Belgischen Staatsbahnen SNCB/NMBS sowie die französische Kapitalbeteiligungsgesellschaft Argos Soditic mit 69 Prozent. Die künftige Verbindung zwischen Antwerpen und Tschechien soll unter dem Produktnamen „Czech Express“ vermarktet werden. Neben KV-geeigneter Ladung, allen voran Container, sollen in dem Bahndienst auch konventionelle Güterwaggons mitrollen. Die Fahrplandetails sind derzeit noch nicht bekannt. Das dritte Projekt knüpft an ein Bestandsangebot der Schweizer KV-Gesellschaft Hupac an, die im Hafen Antwerpen unter anderem mit einem eigenen Bahn-Terminal fest verankert ist. Hupac betreibt Direktzüge nach Polen, unter anderem in den Großraum Posen, aber auch nach Kattowitz oder Breslau. Geplant ist, das Bahnangebot von fünf auf sechs wöchentliche Abfahrten zu verdichten.

Die Antwerp Port Authority ist davon überzeugt, das der eigene Markt erfolg mittel- und langfristig auch wesentlich über die Qualität des bahnseitigen Hinterlandangebotes mitbestimmt wird. Zugleich will die Hafenverwaltung in den kommenden Jahren im Sinne des Umweltschutzes den Modal Split im Hinterlandverkehr zugunsten von Bahn und Binnenschifffahrt verändern. EHA

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