Englisch als Reviersprache in anderen Ländern längst üblich

Im Hamburger Hafen soll künftig Englisch statt Deutsch als Reviersprache gelten.

Dafür setzt sich die Koalition aus SPD und Grünen in der Hamburger Bürgerschaft ein. Verschiedene Abgeordnete der beiden Parteien unter Mitwirkung unter anderem von Arno Müns ter für die SPD und des langjährigen Hafenexperten der Grünen, Dr. Anjes Tjarks, haben dazu einen entsprechenden Antrag formuliert, der am Mittwoch in die Hamburger Bürgerschaft eingebracht und über den erstmals diskutiert wurde.

Der Antrag findet die ausdrückliche Unterstützung des Zentralverbandes der Deutschen Schiffsmaklerbetriebe (ZVDS). Dessen Geschäftsführer, Dr. Alexander Geisler, erklärte auf THB-Anfrage: „Die in Hamburg vom rot-grünen Senat angestoßene Diskussion ist ein Schritt in die richtige Richtung und kann zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens beitragen. Daher begrüßen wir diesen Vorstoß. Wichtig ist nun, dass die weitere Diskussion ohne Vorurteile ruhig und sachlich geführt wird.“

Die Nutzung der englischen Sprache, so heißt es in dem dem THB vorliegenden Dokument weiter, sei unter anderem im internationalen Luftverkehr selbstverständlich. Auch in der internationalen Seeschifffahrt sei Englisch „unbestritten die Lingua franca“. Auf der Mehrzahl der ein- und ausgehenden Schiffe in den deutschen Seehäfen – mit ihren international gemischten Besatzungen – gelte Englisch als Bordsprache. Die überwiegende Zahl der Kapitäne und Offiziere auf den Seeschiffen sei nicht in der Lage, auf Deutsch zu kommunizieren. Die Reviersprache im Hamburger Hafen hingegen sei Deutsch. Es bestehe eine Meldepflicht in deutscher Sprache.

Die Antragsteller verweisen zudem darauf, dass verschiedene Länder, darunter auch Finnland, inzwischen Englisch zur ersten Sprache in ihren Seerevieren erklärt hätten. Dieses bedeute aber keinesfalls „eine Lockerung der Lotsenannahmepflicht“. Vielmehr sollte dadurch die Sicherheit von Schiff und Umwelt erhöht werden. Denn die Schiffsführung werde in die Lage versetzt, dem gesamten Funkverkehr im Hafenrevier selbst zu folgen.

Nach dem Willen der Antragsteller soll der Senat jetzt in konkrete Verhandlungen mit den verschiedenen Akteuren eintreten, so zum Beispiel mit der Hamburg Port Authority (HPA), der Generaldirektion Wasserstraßen oder dem Verband Deutscher Reeder (VDR). Es gehe darum, „ob und in welchen Schritten die Umkehrung der Sprachreihenfolge auf der Elbe und im Hafengebiet erfolgen kann“.

Erst dieser Tage hatte der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) auf seiner jüngsten Vorstandssitzung beschlossen, Deutsch als Reviersprache beizubehalten. Geisler dazu: „Die bislang vorgetragene Kritik an der verstärkten Nutzung der englischen Sprache ist sachlich nicht nachvollziehbar. Sie erfolgt reflexartig und erinnert an Debatten aus dem letzten Jahrhundert.“

Der Kern der Kritik sei die Furcht vor der Erhöhung der sogenannten „Freifahrer“. Sinn und Zweck der stärkeren Nutzung des Englischen „auch in Form einer möglichen Umkehrung der Sprachreihenfolge“ sei aber nicht „die Erhöhung der Freifahrer, sondern die Erhöhung der Sicherheit“, so Geisler. EHA

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